Glycin + NAC (GlyNAC): oxidativer Stress, mitochondriale Alterung und Wiederherstellung der zellulären Widerstandskraft
Ein unterschätzter, aber grundlegender Antrieb des Alterns ist der allmähliche Rückgang des körpereigenen Antioxidationssystems. Mit zunehmendem Alter nimmt vor allem die Verfügbarkeit von Glutathion ab, dem wichtigsten intrazellulären Antioxidans. Glutathion spielt eine zentrale Rolle bei der Neutralisierung reaktiver Sauerstoffspezies, beim Schutz der Mitochondrien und bei der Unterstützung von Entgiftung und Wiederherstellung. Ein Mangel an Glutathion trägt unmittelbar zu mehreren Kennzeichen des Alterns bei, darunter oxidativer Stress, mitochondriale Fehlfunktion und Entzündungsalterung.
Glycin und N-Acetylcystein (NAC) bilden zusammen eine besonders wirksame Kombination, häufig als GlyNAC bezeichnet, weil sie genau die zwei begrenzenden Bausteine liefern, die für die Glutathionsynthese benötigt werden. Glutathion besteht aus drei Aminosäuren: Glycin, Cystein und Glutamat. Beim Altern nimmt insbesondere die Verfügbarkeit von Glycin und Cystein ab, sodass die Glutathionbildung dauerhaft unzureichend ist. NAC dient als gut aufnehmbare Vorstufe von Cystein, während Glycin die Synthese vervollständigt.
Die zentrale Rolle von Glutathion für das Redoxgleichgewicht, den Schutz der Mitochondrien und das Überleben der Zellen ist in einer mechanistischen Übersichtsarbeit in Free Radical Biology & Medicine ausführlich beschrieben; dort wird erläutert, wie Glutathion für den Erhalt der Mitochondrienfunktion und die Begrenzung oxidativer Schäden unerlässlich ist.3
Dass ein Mangel an Glutathion tatsächlich zum Altern beiträgt, zeigen auch Studien am Menschen. In einer Reihe von Untersuchungen unter der Leitung von Kumar et al. wurde nachgewiesen, dass ältere Erwachsene deutlich niedrigere Glutathionspiegel haben als jüngere Erwachsene, zusammen mit erhöhtem oxidativem Stress, verminderter Mitochondrienfunktion und schlechterer körperlicher Leistungsfähigkeit.
In einer randomisierten, kontrollierten Studie am Menschen, veröffentlicht in Clinical and Translational Medicine, erhielten ältere Erwachsene über 24 Wochen eine GlyNAC-Ergänzung. Die Ergebnisse waren auffällig: Die Ergänzung stellte die Glutathionspiegel wieder her, senkte oxidativen Stress, verbesserte die mitochondriale Energiegewinnung und führte zu messbaren Verbesserungen der Muskelkraft, der Gehfähigkeit und der allgemeinen körperlichen Funktion.²
Darüber hinaus beobachteten die Forschenden Verbesserungen der Insulinempfindlichkeit, von Entzündungskennwerten und von Kennwerten der Ermüdung. Diese Befunde sind für Langlebigkeit besonders bedeutsam, weil sie zeigen, dass die Wiederherstellung eines grundlegenden Antioxidationssystems mehrere Alterungsmechanismen zugleich günstig beeinflussen kann.
Vorklinische Studien stützen dieses Bild weiter. In Tiermodellen führt die Wiederherstellung von Glutathion zu einer verbesserten Mitochondrienneubildung, geringerer Entzündungsaktivität und besserer Stresswiderstandsfähigkeit der Zellen. Diese Wirkungen stimmen eng mit den Daten am Menschen überein und unterstreichen, dass GlyNAC nicht nur ein Symptom angeht, sondern einen zugrunde liegenden biologischen Mangel korrigiert.
Was GlyNAC von vielen anderen Ergänzungsmitteln unterscheidet, ist, dass es nicht versucht, das Altern zu „erzwingen“, sondern dem Körper hilft, zu einem eher jugendlichen biochemischen Gleichgewicht zurückzukehren. Durch die Wiederherstellung der Verfügbarkeit von Glutathion werden die Mitochondrien besser geschützt, die Energiegewinnung wirksamer und Entzündungsprozesse gehemmt.
Innerhalb einer Langlebigkeitsstrategie ist GlyNAC damit eine außergewöhnlich starke Maßnahme. Es unterstützt zugleich das oxidative Gleichgewicht, die Gesundheit der Mitochondrien und die Funktionsfähigkeit – drei Säulen, die entscheidend dafür sind, wie gesund wir altern. Glycin und NAC sind einzeln wertvoll, zusammen bilden sie jedoch einen synergetischen Baustein für alle, die nicht nur länger leben wollen, sondern vor allem länger auf hohem Niveau leistungsfähig bleiben möchten.
Quellen: